Polen und Deutschland im modernen Europa
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Polen und die US-amerikanische Polonia seit 1989: Diskurse über Nation und Diaspora.

Betreuung: Prof. Dr. Martin Aust


Förderung: Konrad-Adenauer-Stiftung

1989 sah sich die neu entstehende Dritte Polnische Republik einer der weltweit größten Diasporen gegenüber. Zugleich blickt das postsozialistische Polen auf eine über hundertjährige Geschichte zurück, in der sich das ambivalente Beziehungsfeld zwischen den politischen und gesellschaftlichen Eliten in Polen und der sog. Polonia wiederholt als wirkungsmächtiges Gestaltungsmoment der Geschicke des Landes darstellte. Der systempolitische Umbruch 1989 – so die zentrale Ausgangsthese des Dissertationsvorhabens – markiert zweifelsohne auch für das Verhältnis zwischen Polen und Auslandspolen eine Zäsur. Deren Wirkung auf den Stellenwert der Polonia im weiteren Verlauf der Entwicklungen will das Projekt am Beispiel der wandelnden Wahrnehmungsmodi zwischen Polen und der zahlenstarken, traditionell national-politisierten US-amerikanischen Polonia untersuchen.

Welche Bedeutung wird der Diaspora im politischen und gesellschaftlichen Denken des neuen demokratischen, zunehmend euroatlantisch integrierten Polen zugesprochen? Welche Stellung schreibt sich auf der anderen Seite die Polonia selbst zu – nun, da mit der Wiedererrichtung eines unabhängigen, demokratischen polnischen Staates in gesicherten Grenzen das langjährige Hauptziel ihrer politischen Agenda erreicht ist? Und wie konstituiert sich in Transfer und Spannungsfeld beider Perspektiven das Verhältnis zwischen Diasporarepräsentationen und dem Selbstverständnis der Dritten Polnischen Republik?

Das Dissertationsvorhaben begegnet diesen Fragen diskursgeschichtlich und greift in Zusammenführung der polnischen und auslandspolnischen Perspektive Ansätze auf, die zugleich verflechtungsgeschichtlich operieren. Es wird dabei von der Annahme geleitet, dass die diskursive Konstruktion von Diaspora nicht allein der longue durée kulturell tradierter Vorstellungen von nationaler Gemeinschaft unterliegt. Vielmehr möchte es untersuchen, inwieweit kurzfristig die Abwägung des momentanen Nutzen- oder Schadenspotentials einer polnisch-auslandspolnischen Einheit den Grad der öffentlichen Akzeptanz eines grenzüberschreitenden Gemeinschaftsbewusstseins reguliert. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der wechselseitigen Verhandlung der praktischen Qualität von Diaspora als transnationaler Akteur.

Gestützt auf eine repräsentative Auswahl polnischer und auslandspolnischer Tageszeitungen sowie politischer Dokumente geht das Projekt den Wirkungen dieser Ressourcenorientierung im polnisch-auslandspolnischen Beziehungsgefüge im Verlauf und in der Folge des Jahres 1989 nach. Dadurch möchte es zugleich verdeutlichen, dass Transformation und euroatlantische Integration in Polen wesentlich in transnationalen Konstellationen verliefen und grenzüberschreitend Rückkoppelungseffekte zeitigten, die mit den amerikanischen Polonia-Eliten auch eine außereuropäische Tragweite innehatten. In dieser Perspektive ist das Dissertationsvorhaben nicht zuletzt mit dem Desiderat verbunden, die Verortung polnischer Geschichte in transnationalen und globalen Zusammenhängen zu befördern und ihr in den entsprechenden Fachdiskussionen zu erhöhter Aufmerksamkeit zu verhelfen.


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